Hypoaktivierung im linksparietalen Cortex weist auf Legasthenie hin

Bei neuronalen Bildgebungsverfahren zeigen Kinder mit Legasthenie gleichzeitig ein verringertes Aktivitätsniveau (Hypoaktivierung) im parieto-temporalen Cortex und ein erhöhtes Aktivitätsniveau (Hyperaktivierung) im linken inferioren Frontalcortex. Wie dieses Phänomen der gleichzeitigen Hyper- und Hypoaktivierung bei Kindern mit Legasthenie zu interpretieren ist, ist noch nicht geklärt.

Amerikanische Wissenschaftler um Fumiko Hoeft von der Stanford University in Palo Alto interessierten sich für diesen Zusammenhang und untersuchten die neuronale Aktivität in den entsprechenden Bereichen bei verschiedenen Leseaufgaben in einem interessanten Studiendesign. Insgesamt wurden drei Gruppen gebildet: eine Kontrollgruppe ohne legasthene Symptomatik, eine Gruppe mit jüngeren und von daher leseschwächeren Kindern ohne Legasthenie, die in ihrer Lesefähigkeit jedoch den Kindern mit Legasthenie vergleichbar waren und die Experimentalgruppe mit Kindern, bei denen eine Legasthenie diagnostiziert wurde.

Die Kinder mit Legasthenie zeigten im Vergleich zur Kontrollgruppe der unauffälligen Leser ein verringertes Aktivitätsniveau im linksparietalen und den bilateral fusiformen Cortex (posteriore Region) und ein erhöhtes Aktivitätsniveau im linken inferioren und mittleren frontalen Gyrus und Thalamus. Im Vergleich zu den leseschwachen Kindern zeigten die Kinder mit Legasthenie auch eine Hypoaktivierung in den linken parietalen und fusiformen Regionen (posteriore Region), aber ein ähnliches Aktivitätsniveau im linken inferioren und mittleren frontalen Gyrus und Thalamus.

Die Wissenschaftler interpretieren die Ergebnisse, indem sie die Überaktivierung im linken inferioren frontalen Gyrus als Grad der Anstrengung durch eine Leseaufgabe ansehen und die Hypoaktivierung in der posterioren Region als Hinweis auf eine Legasthenie betrachten. Die Hinweise der Hypoaktivierung der posterioren Region bei Legasthenie stellt ein wichtigen Fortschritt in der Diagnostik von Lese- und Rechtschreibstörungen dar. Die Besonderheit der Studie ist, dass eindeutige Areale für das Vorliegen einer Legasthenie diagnostiziert werden konnten.

Quelle:
Hoeft, F. et al. (2007). Functional and morphometric brain dissociation between dyslexia and reading ability.Proceedidngs of the national academy fo sciences of the united states, 104, 4234-4239.

Link:
http://www.pnas.org/

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