ADS, ADHS - was bedeutet das?

ADS ist eine Abkürzung für die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. Dies ist im Grunde keine neue Erkrankung, legt doch das Buch vom Struwwelpeter  ein beredtes Zeugnis davon ab.

Drei Symptombereiche herrschen vor:

  1. die Störung der Aufmerksamkeitskontrolle mit Mangel an Ausdauer bei Leistungsanforderungen und die Tendenz, Tätigkeiten zu wechseln bevor sie zu Ende gebracht wurden.
  2. die Hyperaktivität oder Unruhe in Situationen , wo Ruhe erwartet wird.
  3. die Impulsivität, die sich im Nicht-Warten-Können, im zu schnellen Reagieren auf verschiedenste Reize zeigt und viel zur Problematik der sozialen Interaktion beiträgt.

Gibt es einen bestimmten Test, um festzustellen, ob ein ADS vorliegt oder nicht?

Einen einfachen Test gibt es nicht, die Diagnosestellung erfordert viel Erfahrung, die Einbeziehung der Entwicklung, der aktuellen Situation zuhause und in der Schule. Außerdem gleicht kein ADS-Kind dem anderen.

Was ist die Ursache von ADS?

Verschiedene Faktoren spielen eine Rolle: es gibt einen erblichen Anteil, oft erkennt sich ein Elternteil im Kind besonders gut wieder. Daneben spielen  gesellschaftliche Veränderungen eine große Rolle: ADS-Kinder brauchen klare Strukturen im Tagesablauf, in der Familie, in der Schule, sie brauchen viel Bewegung draußen, mehr Übung des Gleichen, nicht jeden Tag neue Arbeitsblätter, weniger Reize durch Medien –durch viel Computerspielen kann man das Gehirn auf schnelle visuelle Verarbeitung konditionieren, das Gegenteil von dem, was die Schule dem Kind bietet-.

Wie behandelt man ADS?

Medikamentöse Behandlung

 Am weitesten verbreitet ist die Behandlung mit Methylphenidat, bekannt unter Ritalin, Medikinet, Equasym. Es geht von einer Imbalance der Botenstoffe im Gehirn aus, die man medikamentös beeinflussen kann. Eine positive Wirkung lässt sich bei 2/3 der Patienten laut Studien nachweisen, solange das Medikament eingenommen wird. Eine darüber hinaus bleibende Wirkung resultiert nicht. Das bedeutet, das Medikament muss über einen längeren Zeitraum  (Monate bis Jahre) eingenommen werden. An Nebenwirkungen sind sehr häufig Appetitmangel während der Wirkphase, z.T. Kopfschmerzen zu Beginn der Einnahme und manchmal Schlafstörungen zu finden, bei hohen Dosen auch depressive Verstimmungen. Methylphenidat kann in der kurz wirksamen Form (Wirkdauer 2-4 h) gegeben werden mit dem Nachteil der 2-3 maligen Einnahme pro Tag.  Es ist auch in der länger wirksamen Formen ( Ritalin SR, LA, Medikinet retard, Equasym retard, Concerta) erhältlich mit z.T. nur einmal täglicher Einnahme. Die Verordnung erfolgt über Betäubungsmittelrezept.

Seit über einem Jahr gibt es als medikamentöse Alternative den Wirkstoff Atomoxetin (Strattera), es wirkt ebenfalls auf die Botenstoffe im Gehirn, aber auf ein anderes System. Es zeigt laut Studien ebenfalls bei ca. 60-70% der Kinder eine Verbesserung der Symptomatik. Bei Strattera entfaltet sich die Wirkung nicht innerhalb von Stunden, sondern erst im Lauf von 4-6 Wochen bei einmal täglicher Einnahme. Anfangs macht es die Kinder oft müde, ein Vorteil für Kinder mit Einschlafstörungen, die Müdigkeit verliert sich aber mit der Zeit. Die Wirkung dauert 24 Stunden an, d.h. die Kinder profitieren nicht nur in der Schule und bei den Hausaufgaben, sondern auch morgens und abends von der besseren Konzentration und geordneteren Herangehensweise an Dinge. Die Wirkung von Atomoxetin ist oft schwerer zu beurteilen, weil sie langsam einsetzt, während Methylphenidat innerhalb einer Stunde wirkt und dann auch wieder merkbar aufhört zu wirken.

Grundsätzlich handelt es sich bei der medikamentösen Behandlung des ADS um eine Langzeittherapie, deren Auswirkungen auf die kindliche Hirnentwicklung nicht völlig geklärt sind. Das veranlasst viele Eltern nach Therapiealternativen zu suchen.

Welche Therapiealternativen gibt es?

Nährstofftherapie

Einige Stoffwechselbesonderheiten sind bei ADS-Kindern dokumentiert. Dort kann eine Nährstofftherapie ansetzen.

Nachgewiesen ist, dass bei ADS-Patienten häufig ein Mangel an langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren vorliegt. Dieser Mangel kann durch die Gabe von  Omega-3- und Omega 6 Fettsäuren ausgeglichen werden. In Studien hat sich ein Trend zur Verbesserung der Symptome Aufmerksamkeit und Verhalten sowie eine Verbesserung der Lese- und Rechtschreibfähigkeiten gezeigt, d.h. die Gabe eines geeigneten  Präparates kann ein Baustein der Nährstofftherapie sein. Durch Nahrungsmittel ist der Bedarf nur schwer zu decken, es müsste 2x/Woche fetter Seefisch wie Lachs, Thunfisch oder Makrele gegessen werden, hochwertige Öle wie Leinöl, Hanföl, Walnuss-, Soja-, Raps- und Weizenkeimöl helfen zusätzlich.

Ebenfalls dokumentiert ist ein häufiger Magnesium Mangel und dass Magnesium in hoher Dosierung sich günstig auf die Symptome Konzentrationsschwäche, Nervosität, schnelle Ermüdung, Bauchschmerzen, Schlafstörungen und Kopfweh auswirkt. Magnesium findet sich in Kakaopulver (cave Instandgetränke enthalten vor allem Zucker!), Sojabohnenmehl, Pinienkernen, Mandeln, Haselnüssen, Walnüssen und Getreideflocken besonders reichlich.

Bei vielen ADS-Patienten lässt sich eine so genannte Kryptopyrrolurie (Urintest) nachweisen, die letztendlich bedeutet, dass ein vermehrter Bedarf an Zink und B-Vitaminen, insbesondere Vitamin B 6 vorliegt. An Kryptopyrrolurie ist besonders zu denken, wenn ein Heißhunger auf Süßigkeiten sowie eine auditive Wahrnehmungsstörung vorliegt. Eine auditive Wahrnehmungsstörung erkennt man an der Schwierigkeit der Kinder genügend Information durch die Ohren aufzunehmen und das Gehörte umsetzen zu können, ebenfalls häufig liegt eine starke Ablenkbarkeit durch Geräusche vor.

Zink findet sich in Roggen- und Weizenkeimen, in Sesam, Kürbiskernen, Bierhefe, Hefeflocken, Hülsenfrüchten und in Leber sowie Rindfleisch vermehrt.

Vit. B 6 nimmt man in Hefe, Getreide, Bananen, Gemüse, Innereien , Milch und Eiern zu sich.

Auch ein Eisenmangel, nachgewiesen durch einen erniedrigten oder niedrigen Ferritinwert, kann ADS Symptome hervorrufen. Kinder mit Eisenmangel  haben eine höhere Körperspannung, Bekümmertheit, Unzufriedenheit, geringere und kürzere Aufmerksamkeit und sind müder als Kinder mit genügend Eisenreserven. Groß angelegte Vergleichsstudien zeigen, dass Kinder und Jugendliche mit Eisenmangel wesentlich öfter kognitive bzw. Intelligenz-Defizite aufweisen als gleichaltrige Kinder ohne Eisenmangel. Ebenfalls dokumentiert ist eine positive Wirkung auf Einschlafstörungen durch Unruhe der Beine. Eisenlieferant in der Nahrung ist vor allem Fleisch, Eisen aus pflanzlicher Nahrung wird sehr viel schlechter vom Körper aufgenommen.

Oft ist die Kombination aus günstiger Ernährung in Verbindung mit Nahrungsergänzungspräparaten hilfreich und führt erst zu einer erträglichen Situation. Jedoch sollte die Auswahl sich an den Symptomen des einzelnen Kindes orientieren. ADS ist eben keine einheitliche Erkrankung, sondern jeder hat seine Symptommischung.

Diät-Vermeidung bestimmter Nahrungsmittel

Es existieren verschiedene Untersuchungen, die dokumentieren, dass das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel bei ca. 70% der Patienten die motorische Unruhe, die Impulsivität, Gedächtnisleistungen, Aufmerksamkeit und Schlafqualität verbessern, eine Normalisierung trat bei 30% der Kinder ein. Aus meiner Sicht ist das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel, in der Regel der Nahrungsmittel, die das Kind besonders gern zu sich nimmt, praktisch schwer durchzuführen.

Wenn aber zum ADS gleichzeitig häufige Bauch- oder Kopfschmerzen kommen, lohnt es ich, den Speiseplan genauer anzusehen. Für Unverträglichkeiten am häufigsten verantwortlich sind Farb- und Zusatzstoffe, Weizen und Milch. Wenn ein Kind besonders viel Milch trinkt, lohnt es sich, auf ein Kuhmilchfreies Produkt umzusteigen. 

Neurofeedback

Von den weiteren alternativen Therapiemöglichkeiten für ADS Kinder ist noch eine sehr erfolgreich, was zahlreiche Studien aus USA belegen. Es handelt sich um Neurofeedback. Darunter versteht man eine Biofeedback Methode, bei der physiologische Vorgänge wie Durchblutung, Herzfrequenz oder Muskelspannung gemessen werden und optisch oder akustisch an den Patienten zurückgemeldet werden. Das macht die Körperfunktionen der bewussten Regulation zugänglich. Neurofeedback ist so etwas wie Biofeedback für das Gehirn. Das Kind lernt seine Hirnströme, die ja Ausdruck seiner Konzentration oder Zerstreutheit sind, zu steuern, indem es z.B. für ein Hirnwellenmuster, das Konzentration entspricht, eine positive Rückmeldung über den Bildschirm  erhält.

Neurofeedback ist besonders für Jugendliche geeignet, da es zum einen vor einem Bildschirm stattfindet und zum anderen von den Jugendlichen selbst gesteuert werden kann.

Selbstverständlich gibt es weitere Therapiealternativen und jede Behandlung eines ADS-Patienten sollte letztlich  aus verschiedenen Elementen bestehen wie Elternanleitung, spezifischen Trainings für das Kind, geeigneter Ernährung, Nahrungsergänzung, wenn angezeigt, medikamentöser Therapie, wenn nötig, verhaltenstherapeutischen Maßnahmen, damit das Kind und die Eltern die Zeit des Heranwachsens gemeinsam erfolgreich meistern.

Weitere Infos: Dr. Theresia Stöckl-Drax

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