Beruhigungsatmung

Atmung ist eine unserer wichtigsten Funktionen und doch werden wir uns nur selten bewusst, wie wir atmen, wenn wir uns nicht gerade ängstigen und die Atmung bemerken.

Idealerweise ist unsere Atmung langsam, rhythmisch und tief, bei Stress jedoch wird sie oberflächlich, schnell und unruhig. Dies ist das Gegenteil zu unserem natürlichen Körperrhythmus. Unser ganzes unbewusstes Nervensystem ist darauf ausgerichtet, wenn wir eine Funktion beruhigen, dass es sich ganz beruhigt. Umgekehrt jedoch wenn eine Funktion wie die Atmung unruhig und nervös wird, wird auch der Rest des Systems unruhig und nervös.  Wenn wir lernen unsere Atmung zu beruhigen, können wir damit auch unsere anderen autonomen Systeme wie den Blutdruck, den Puls und die Temperatur der Hände und Füße beeinflussen und auch die Aktivierung unseres Gehirns.

Es gibt zwei Arten von Atmung: die Brustatmung und die Bauchatmung. Die Brustatmung ist eher oberflächlich, sie ist gekennzeichnet durch eine Bewegung des Brustkorbes nach oben und außen. Die Bauchatmung ist ganz anders, sie ist gekennzeichnet durch eine Bewegung nach unten und außen. Viele Erwachsene und Kinder atmen so oberflächlich und hoch im Brustkorb, dass man sie als „Nackenatmer“ bezeichnen könnte. Wenn sie tief einatmen und ihr Brustkorb bewegt sich nach oben Richtung Nacken, dann ist ihr Atemmuster ungünstig. Wenn ihr Bauch nach unten und außen zu gehen scheint, dann atmen sie vermutlich richtig. Wenn sie eine Hand auf den Brustkorb und die andere auf den Bauch legen, sollten sie wenig Bewegung oben und mehr bei der Hand am Buch spüren. Zwerchfellatmung entspannt bei Stress, beruhigt das Nervensystem und fördert die natürlichen Heilungsprozesse des Körpers.

Der Hauptmuskel für die Atmung ist das Zwerchfell, ein starker, horizontaler, kuppelförmiger Muskel. Er teilt den Brustkorb mit Herz und Lunge vom Bauchraum mit den Verdauungs-, Ausscheidungs- und Fortpflanzungsorganen. Die Bauchmuskeln arbeiten mit dem Zwerchfell zusammen. Die Bauch- oder Zwerchfellatmung hat drei wichtige Effekte auf den Körper:  Als erstes füllt die Bauchatmung -  im Gegensatz zur oberflächlichen Atmung- die Lunge vollständig mit Luft, und stellt damit Sauerstoff für den ganzen Körper bereit. Zweitens führt die Bauchatmung dazu, dass das Abfallprodukt der Atmung, das Kohlendioxid die ganze Lunge verlässt. Schließlich werden durch die sanfte Auf- und Abwärtsbewegung der Zwerchfellatmung die Bauchorgane sanft massiert und die Durchblutung gesteigert.

Bauchatmung braucht den geringsten Aufwand für die  größtmögliche Sauerstoffzufuhr für den menschlichen Körper. Es geht ganz einfach. Legen sie sich bequem auf den Rücken mit den Armen seitlich  und den Beinen nebeneinander, schließen sie ihre Augen, legen sie etwas auf ihren Bauch. Es kann ein Buch sein oder etwas anderes, so dass sie einen leichten Druck auf den Bauchmuskel spüren. Besonders geeignet sind Sandsäcke oder mit Sand gefüllte Tiere, für Erwachsene 3-4 kg schwer für Kinder 1-2 kg.

Mit dem Gewicht auf dem Bauch beginnen sie durch die Nase langsam, gleichmäßig und tief aus- und einzuatmen. Es sollten keine ruckartigen Bewegungen oder Pausen beim Atmen sein. Übertreiben sie die Einatmung leicht bis sie die Bauchmuskelhebung spüren, aber das Gewicht nicht mit dem Bauchmuskeln anheben, sondern durch die Atmung. Der Brustkorb sollte sich nur wenig oder gar nicht bewegen.  Wenn sie das alles so an sich beobachten, atmen sie richtig.

Diese Technik ist mehrmals täglich für 5-10 Minuten zu praktizieren, bis sie automatisch und zur zweiten Natur wird. Ein großer Vorteil dieser Übung ist, dass man sie überall, in der Arbeit, in der Schule, beim Einkaufen und in jeder stressigen Situation einfach anwenden kann:  legen sie einfach eine Hand auf den Bauch und vergewissern sie sich, dass ihr Atem dorthin geht und nicht nur in den oberen Brustkorb oder Nacken.

Von den vielen Techniken, mit Stress und Angst um zu gehen, ist die Bauchatmung die effektivste und sie können sie überall hin „mitnehmen“.  Diese Fähigkeit hatten wir alle in den ersten Lebensjahren, erst später, als wir gerade und aufrecht stehen mussten, wechselten wir von Bauch- zu Brustatmung.

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