Neurofeedback oder passt die Aktivierung des Gehirns zur Aufgabe?
Neurofeedback, eine Form von Biofeedback für das Gehirn, ist besonders in den USA schon seit längerem am Gesundheitsmarkt.
Inzwischen gibt es auch schon vielversprechende Studien berühmter Organisationen wie dem NIH (National Institut of Health), um die Effektivität von Neurofeedback zu untersuchen.
Was ist nun Neurofeedback eigentlich? Was muss man sich darunter vorstellen?
Leben ist immer mit messbarer Hirnaktivität verbunden, üblicherweise gemessen an der Kopfhaut über kleine Sensoren. Diese Aktivität wird in verschiedene Wellenlängen eingeteilt, bestimmte Wellenmuster charakterisieren jeweils bestimmte Zustände wie Schlaf, Konzentration, Entspannung oder auch Anspannung und Angst. Durch unsere modernen, leistungsstarken Computersysteme können diese Aktivierungszustände des Gehirns inzwischen real-time abgeleitet, d.h. sichtbar gemacht werden. Gleichzeitig ist es möglich, die Wellenmuster des einzelnen mit den Wellenmustern einer altersgleichen Gruppe ohne Funktionsdefizite zu vergleichen. Dies führt nun zur Möglichkeit, zunächst einmal Abweichungen der Wellenmuster zu sehen. Dabei zeigt sich zum Beispiel für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen, dass es bei einem Teil von Ihnen zu einem größeren Anteil an langsamen Wellen vor allem im frontalen Bereich kommt, jedoch ein anderer Teil dieser Kindern zeigt eher zu viele schnelle Wellen an, beide Aktivierungsmuster sind nicht optimal für die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeitskontrolle.
Ziel des Neurofeedbacks ist es, eine zur jeweiligen Tätigkeit passende Aktivierung des Gehirns zu erreichen, um flexibel auf die Anforderungen reagieren zu können. Wenn Konzentration angesagt ist, das dazu passende Wellenmuster abrufen zu können, aber nicht in einen „Panikmodus“ zu verfallen, abends jedoch gut einschlafen zu können. Wie wir inzwischen wissen, lernt das Gehirn das ganze Leben lang dazu. Diese Fähigkeit benötigt auch das Training mit Neurofeedback. Beim eigentlichen Training wird dem Kind oder Erwachsenen immer dann eine positive Rückmeldung in Form von Größerwerden eines Bildes, Bewegen eines Gegenstandes, Lauterwerden von Musik u.ä. gegeben, wenn das Hirnwellenmuster sich dem Einzuübenden annähert. Das Gehirn lernt am besten, wenn dieses Feedback häufig und rasch nach der Leistung erfolgt, beides ist bei Neurofeedback möglich. Anfangs werden kleine Verbesserungen schon belohnt, mit der Zeit können die Kinder wesentlich größere Anforderungen meistern. Dieses Lernen läuft nicht bewusst ab, wie wir im Übrigen das Allermeiste, was wir können, nicht bewusst gelernt haben, erfordert aber trotzdem Übung. Diese Übung wird von den Kindern und Jugendlichen jedoch anders empfunden als z.B. Vokabeln oder Mathematik lernen, weil das Training meist vor einem Bildschirm stattfindet und das Training des Gehirns wie eine neue Erfahrung wahrgenommen wird. Sie müssen sich das folgendermaßen vorstellen: man sitzt vor einem Bildschirm, mit mehreren Punkten verkabelt und schafft es ohne Maus oder Joystick, nur mit der Kraft des Gehirns etwas zu bewegen. Dies ist eine sehr spannende Erfahrung.
Neurofeedback kann eingesetzt werden bei allen Arten von Konzentrations- und Lernproblemen, bei ADS, ADHS, Impulskontrollproblemen, Störungen aus dem autistischen Spektrum wie Asperger Syndrom, aber einfach auch zur Optimierung des Funktionsniveaus des Gehirns (Peak Performance Training).
Immer wird die Regulation und die Anpassungsfähigkeit des Gehirns an die Wirklichkeit trainiert und verbessert.